| Hintergrund |
| 1. Was ist Fanbetreuung? Grashoff erkannte, dass auch ein Verein die sozialpolitische
und gesellschaftliche Herausforderung annehmen musste, sich mit „seinen
Fans“ ernsthaft auseinanderzusetzen. Denn der Fußball und
seine Fans sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Der Fußballfan
kommt aus der gesamten Breite der Gesellschaft und spiegelt dies im
Stadion und im Umfeld durch sein Verhalten wieder. Er spiegelt aber
nur wieder, was ihm in seinem sozialen Umfeld widerfährt. Letztendlich heißt also die Konsequenz, dass sich der Verein um „seine Fans“ kümmern muss, dass er sie betreut und ihnen Hilfen und Methoden an die Hand gibt, sich vor allen Dingen selbst zu organisieren. Nur wenn man sich also mit den Problemen, den Wünschen und den Anregungen der Fans auseinandersetzt, hat man am Ende ein Ergebnis, das beiden „Seiten“ gerecht werden kann. Aus diesem Grund hat Helmut Grashoff für die Borussia schon 1988 entschieden, einen hauptamtlichen Fanbeauftragten einzustellen, dessen alleinige Aufgabe darin bestand, sich um die Belange der Fans zu kümmern und sich ausschließlich auf sie zu konzentrieren. Hier wurde früh erkannt, dass man diese Aufgaben nicht mal soeben nebenbei machen konnte, vor allem nicht, wenn man schon damals auf eine bundesweit sehr große Anhängerschaft blicken konnte. Der Grundstein für eine erfolgreiche Fanbetreuungsarbeit war also früh gelegt und bildet noch heute die Basis für alle Arbeiten, die im Zusammenhang mit dem Thema Fanbetreuung der Borussia aufkommen. Jetzt musste „nur“ noch eine Struktur her, um dem Thema gerecht zu werden, die „anonyme Masse der Fans“ in irgendeiner Art und Weise zu führen oder gar zu organisieren. Ziel war also, möglichst schnell eine organisierte
Fanszene bei Borussia zu besitzen! Der von Borussia eingesetzte erste Fanbeauftragte der
Bundesliga war somit die erste Säule. Die Säule, die den Rahmen
vorgibt und die Betreuung von Vereinsseite durchführt und organisiert. Dazu wurde 1988 die sog. „Interessengemeinschaft (IG) der Fan-Clubs“ gegründet, in der sich die führenden und aktivsten Fanclubs zusammenschlossen, um gemeinsam mit dem Fanbeauftragten Theo Weiß Organisationsformen, Handlungsräume und Spielregeln zu entwickeln. Hierunter vor allem der Bezug von Karten für Heim- und Auswärtsspiele, sowie der Organisation gemeinsamer Fahrten zu diesen Spielen. Damals gab es etwa 50 Fanclubs bundesweit, die in Ihrer Heterogenität nicht mit den heutigen Fanclubs zu vergleichen sind. Ein „loser Haufen“, der sich zu den Spielen traf aber sonst keinerlei Berührungspunkte hatte. Allerdings begann die Reisefreudigkeit der Fans in fremde Stadien, geschweige denn ins Ausland, erst in den späten 80er Jahren. Aus dem Elitegedanken, der sog. „IG“, entwickelte sich dann jedoch sehr schnell das auch noch heute so bezeichnete „Fanprojekt Mönchengladbach e.V.“ Die zweite Säule hatte nun also einen festen Namen und einen 8-köpfigen Vorstand, in dem alle maßgeblichen und führenden Köpfe der Gladbacher Fanszene vertreten waren. Die Egoismen der einzelnen Fanclubs, der handelnden Personen und der politischen Ausrichtungen mussten zu einem gemeinsamen Ziel und zu einem gemeinsamen Handlungsstrang vereint werden. Mit der „Geburt“ des Fanprojekts wurden
also auch die beiden Philosophien der Fanbetreuung in MG begründet,
die heute noch Bestand haben: „Keine Politik beim Fußball!“
sowie „Stimmung ja, Randale nein!“. Helmut Grashoff hatte allerdings von Anfang an darauf Wert gelegt, dem Fanprojekt einen Status zu geben, der seiner außergewöhnlichen Stellung in der Fanszene Rechung tragen sollte und musste. Schon früh wurden in einem Kooperationsvertrag mit Borussia die Eckdaten der Zusammenarbeit festgezurrt, die alle heute noch Bestand haben und mit den Jahren noch erweitert wurden. Wesentlich ist hier aber, dass Borussia das Fanprojekt als einzige Dachorganisation aller Fans ansieht und anerkennt und dass es neben dem Fanprojekt, dem heute auch als „Supporters-Clubs von Fans für Fans“ bezeichneten Verein, keine weitere Dachorganisation geben darf, um einer Zerfledderung der Szene vorzubeugen. Darüber hinaus wurde und wird der Bezug von Auswärtstickets, die finanzielle und materielle Unterstützung und die weitere Zusammenarbeit (z.B. Verhaltensregeln etc.) geregelt. Auch war schon damals wie heute für Borussia klar, dass nur das Fanprojekt Organisator und Ausrichter der Fahrten zu den Auswärtsspielen sein darf. Von daher werden auch heute noch alle Fahrten zu Auswärtsspielen ausschließlich vom Fanprojekt organisiert und auf eigene Rechnung durchgeführt. Dies allerdings immer mit ausdrücklicher Unterstützung durch die Fanbeauftragten Borussia’s, die bei allen Fahrten mit anpacken und dabei sind. Mit den Pokalfinals 1992 und 1995 kam es dann zu einem
erwarteten Mitgliederboom. Bis heute (Stand Februar 2008) liegt der
Mitgliederstand bei knapp 4000 Mitgliedern. Der Bereich Karten und Fahrten zeigt allerdings auch eindrucksvoll, wie eng die beiden Säulen zusammenarbeiten müssen, obwohl eben die Unabhängigkeit und auch die Selbstregulierung der Szene wichtig ist. Der Meilenstein schlechthin war der Bau des Fanhauses 2006. Kein anderer Bundesligaverein kann etwas Ähnliches vorweisen. Kein anderer Verein hat eine solche Infrastruktur in seiner Fanszene. So arbeiten mittlerweile mehr als 50 Fans haupt- und ehrenamtlich im FPMG. Hier wird gelebt, was seit Jahren das Motto ist: Von Fans, für Fans! Nun haben sich parallel zum Fanprojekt auch die Fanclubs der Borussia in ganz Deutschland weiterentwickelt. Und zur Einordnung sei klar gesagt: Borussia hat immer Wert darauf gelegt, dass die Fan-Clubs ausschließlich von den Fanbeauftragten des Vereins betreut werden. Die Fanclubs sind die Visitenkarte und der „Außendienst“ der Fanszene Borussia’s und somit ist es die hochherrschaftliche Aufgabe des Vereins, sich um sie zu kümmern. Als die heutigen Fanbeauftragten 2003 ihre Arbeit aufgenommen haben, hatten zuerst viele organisatorische Dinge Vorrang. Aber nicht zuletzt der Umzug in den Borussia-Park und das dortige „Eingewöhnen“ haben neben dem sog. Tagesgeschäft viel Zeit in Anspruch genommen. Die Fanclubs wurden zwar weiterhin betreut, aber die absolute Struktur und die professionelle Führung fehlen immer noch. Die aktuelle Zahl von über 600 Fanclubs (die denen die Karteileichen schon aussortiert sind!) ist gar nicht hoch genug zu bewerten, wenn man sich den sportlichen Miss- und Nichterfolg der Borussia in den letzten Jahren vor Augen führt. Alle diese Fanclubs nur von einer „Zentrale“ zu führen und organisieren geht nur bis zu einem gewissen Grad. Professioneller und besser geht es nur mit der Einführung eines Regionalbetreuungskonzeptes. Damit soll nun auch dem Wert der Fanclubs für
Borussia noch mehr Rechnung getragen werden. Wie oben aufgeführt, ist die Entwicklung der Fanbetreuung
bei Borussia und die Entwicklung der aktiven Fanclubs ein langjähriger
Prozess, der noch lange nicht am Ende ist. • Interessensvertretung An erster Stelle steht die Aufgabe, die Interessen der Fanclubs seines Gebietes zu vertreten. D.h., dass der Regionalbetreuer die Anliegen der Fanclubs wahrnimmt, sie bündelt und gegenüber der Borussia und seinen Entscheidungsträgern vertritt und vorbringt. Dies findet dann vor Ort in MG oder per Mailverkehr statt. Diese Vorgehensweise soll verhindern, dass sich einzelne Fanclubs über Gebühr präsentieren und einbringen, während andere vielleicht gar kein Gehör finden. Es ist allerdings auch dadurch ausgeschlossen, dass ein kompletter Landstrich in der Meinungsbildung der Fanclubs vergessen werden könnte. Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig, dass der Regionalbetreuer als „verlängerter Arm“ der Zentrale, d.h. der Fanbeauftragten bei Borussia, die Interessen des Vereins an die sog. Basis bringt und die Interessen des Vereins vertritt. Ob nun positive oder unangenehme Dinge an- oder ausgesprochen werden müssen, der Regionalbetreuer muss den Sinn und Zweck sowie den Inhalt weitergeben! • Kommunikation Das Ziel, die Interessen der Fanclubs aus seinem Gebiet
zu vertreten, funktioniert natürlich nur, wenn die Kommunikation
in zwei Richtungen perfekt funktioniert. Bei beiden Kommunikationsrichtungen kommt es dazu noch auf den Erfahrungsaustausch und die dementsprechende Erfahrungsweitergabe an. Es gibt dabei Kernfragen, die immer wieder neu gestellt werden, z.B. „Wie organisiere ich Busfahrten?“ oder „Wie organisiere ich Turniere?“ usw. Ein ständiger Erfahrungsaustausch und eine kommunikative Vernetzung der Fanclubs über den Regionalbetreuer und schlussendlich auch direkt unter- und miteinander muss das Ziel sein! Darüber hinaus stehen jedoch auch die Regionalbetreuer
bei regelmäßigen Treffen in MG sowie einem eingerichteten
Chat- oder E-Mail-Verteiler natürlich auch untereinander im ständigen
Dialog und Austausch. Der Regionalbetreuer fördert daneben auch aktiv gemeinsame Aktivitäten der BFC’s im Gebiet, angefangen bei Regionaltreffen, -feten, -Fußballturnieren, als auch der gemeinsamen Anreise zu Heim- und Auswärtsspielen. Auf Wunsch kann der Regionalbetreuer auch eine Art Kartenzentrale sein und die Kartenbestellungen im Gebiet sammeln und geschlossen bei Borussia oder dem FPMG abgeben und die Verteilung organisieren. Der Vorteil wäre, dass eine gewisse Anzahl an Karten immer sicher frühzeitig geordert werden kann. Der Regionalbetreuer repräsentiert darüber
hinaus das gesamte Gebiet bei offiziellen Anlässen in MG oder bei
den jeweiligen Fanclubs vor Ort, da er als offizieller Ansprechpartner
des Vereins anerkannt ist. Parallel zur Datenbankführung und -pflege durch
die Fanbeauftragten Borussia’s, sollen die Regionalbetreuer auch
ihre eigene Datenbank führen und pflegen um immer auf dem neuesten
Stand zu sein. Ebenso sollen die Ehrungen zu Geburtstagen oder anderen Festtagen durch den Regionalbetreuer erfolgen. Quelle: Fanprojekt Mönchengladbach |